Interview Lungensport - Mehr Luft zum leben
Wie Lungensport neue Lebensqualität schenken kann
Atemnot beim Treppensteigen. Unsicherheit bei kleinen Alltagswegen. Das Gefühl, der eigene Körper setzt Grenzen, die man früher nicht kannte. Für viele Menschen mit Atemwegserkrankungen ist genau das Realität.
Doch es gibt eine Möglichkeit, aktiv gegenzusteuern: Lungensport.
Im Gespräch mit unserer Rehasport-Verantwortlichen Clara Wolfangel erfahren wir, wie Lungensport funktioniert, für wen er geeignet ist – und warum gesetzliche Krankenkassen die Teilnahme in vielen Fällen vollständig übernehmen.
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Viele Menschen haben den Begriff „Lungensport“ schon einmal gehört, können sich aber wenig darunter vorstellen. Was genau versteht man darunter?
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Lungensport ist eine speziell entwickelte Form des Rehasports für Menschen mit chronischen Atemwegs- und Lungenerkrankungen. Ziel ist es, die Atemmuskulatur zu stärken, die körperliche Belastbarkeit zu verbessern und den Umgang mit Atemnot im Alltag zu erleichtern.
Dabei geht es nicht nur um Atemübungen im Sitzen – Lungensport ist ein ganzheitliches Bewegungstraining. Kraft, Ausdauer, Koordination und Entspannung spielen eine ebenso wichtige Rolle wie die richtige Atemtechnik.
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Für wen ist Lungensport besonders geeignet?
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Lungensport richtet sich an Menschen mit chronischen Atemwegserkrankungen wie:
- Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
- Asthma bronchiale
- Lungenfibrose
- Long COVID
- nach Lungenoperationen oder schweren Atemwegsinfekten
Wichtig ist: Lungensport ist nicht nur etwas für ältere Menschen. Auch jüngere Betroffene profitieren enorm – besonders dann, wenn sie aktiv etwas gegen den fortschreitenden Leistungsabbau tun möchten.
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Was bewirkt Lungensport konkret im Körper?
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Viele Menschen mit Atemwegserkrankungen vermeiden Bewegung aus Angst vor Atemnot. Das Problem: Wer sich schont, baut Muskulatur ab – und wird noch schneller kurzatmig.
Lungensport setzt genau hier an. Durch gezieltes Training:- verbessert sich die Sauerstoffaufnahme
- wird die Atemmuskulatur gestärkt und die Beweglichkeit verbessert
- steigt die allgemeine Belastbarkeit
- sinkt das Gefühl von Hilflosigkeit bei Atemnot
Viele Teilnehmende berichten bereits nach wenigen Wochen, dass ihnen Alltagsaktivitäten wie Einkaufen oder Treppensteigen wieder leichter fallen.
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Wie läuft eine typische Lungensport-Stunde ab?
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Eine Einheit dauert in der Regel 45 Minuten und besteht aus mehreren Bausteinen:1. Sanfte Aufwärmübungen zur Einstimmung und Kreislaufaktivierung2. Atemtechnik-Training und Atemerleichternde Haltung (z.B. Lippenbremse, dosierte Atmung)3. Leichtes Ausdauertraining, etwa mit Geh- oder Koordinationsübungen4. Kräftigungsübungen u.a. für die Atemhilfsmuskulatur5. Mobilisationsübungen zur verbesserten Beweglichkeit der Atemhilfsmuskulatur und des Brustkorbs6. Entspannungsübungen zur AtemberuhigungDie Intensität wird individuell angepasst. Niemand muss „mithalten“ – jede und jeder trainiert im eigenen Tempo.
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Viele haben Sorge, sich zu überlasten. Wie gewährleisten Sie Sicherheit?
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Unsere Lungensport-Kurse werden ausschließlich von speziell ausgebildeten Rehasport-Übungsleiterinnen und -Übungsleitern mit entsprechender Zusatzqualifikation im Bereich Innere Medizin durchgeführt.Die Gruppen sind bewusst klein gehalten, sodass wir individuell auf jede Person eingehen können. Belastungsgrenzen werden respektiert, wer möchte kann sich jederzeit hinsetzen – und wir vermitteln Strategien, wie man mit Atemnot souverän umgehen kann, statt in Panik zu geraten.Auch Teilnehmende mit tragbarem Sauerstoffgerät können grundsätzlich mitmachen – nach ärztlicher Rücksprache.
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Welche Rolle spielt die Gemeinschaft im Lungensport?
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Eine enorm große. Viele Menschen mit chronischen Lungenerkrankungen ziehen sich zurück – aus Scham, aus Angst oder aus Unsicherheit.
Im Lungensport erleben sie: „Ich bin nicht allein.“
Das stärkt nicht nur körperlich, sondern auch seelisch. Es wird gemeinsam gelacht, sich gegenseitig motiviert – und oft entstehen neue soziale Kontakte. Dieses Gemeinschaftsgefühl ist für viele mindestens genauso wertvoll wie das Training selbst.
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Viele wissen nicht, dass Lungensport von der Krankenkasse übernommen wird. Wie funktioniert das?
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Lungensport ist eine anerkannte Leistung im Rahmen des Rehabilitationssports.
Der Ablauf ist unkompliziert:- Die Hausärztin, der Hausarzt oder eine Fachärztin bzw. ein Facharzt stellt eine Rehasport-Verordnung (Formular 56) aus.
- Diese wird bei der gesetzlichen Krankenkasse eingereicht.
- Nach Genehmigung kann direkt gestartet werden.
In der Regel werden 50 Übungseinheiten innerhalb von 18 Monaten bewilligt. In bestimmten Fällen sind auch längere Zeiträume möglich.
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Was raten Sie Menschen, deren Arzt das Thema noch nicht angesprochen hat?
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Sprechen Sie es aktiv an. Viele Ärztinnen und Ärzte begrüßen es sehr, wenn Patientinnen und Patienten Eigeninitiative zeigen.
Lungensport ist kein „Fitnesskurs“, sondern eine medizinisch empfohlene Maßnahme zur Stabilisierung chronischer Erkrankungen. Die meisten Krankenkassen unterstützen das ausdrücklich.
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Was erleben Sie im Alltag – wie verändert sich das Leben Ihrer Teilnehmenden?
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Wir hören häufig Sätze wie:
„Ich traue mich wieder spazieren zu gehen.“
„Ich komme besser die Treppe hoch.“
„Ich habe weniger Angst vor Atemnot.“Das sind kleine Schritte – aber mit enormer Wirkung auf die Lebensqualität.Viele berichten auch, dass sie wieder mehr Selbstvertrauen gewinnen und aktiver am sozialen Leben teilnehmen.
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Zum Abschluss: Was möchten Sie Menschen mit Atemwegserkrankungen mit auf den Weg geben?
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Warten Sie nicht, bis sich Ihre Beschwerden verschlechtern. Bewegung ist kein Risiko – sie ist Teil der Lösung.
Lungensport bedeutet nicht Höchstleistung, sondern kontrollierte, sichere Aktivität in einem geschützten Rahmen. Sie haben nichts zu verlieren – aber sehr viel an Lebensqualität zu gewinnen.
Trauen Sie sich. Der erste Schritt ist oft der wichtigste.
medizinsche Beratung
Tel: 0 71 54 - 15 56 70 0
Email:
Verwaltung Reha-Sport im Verein
Tel: 0 71 54 - 83 08 30
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